Magdalena Roesch - Schaffnerin 1916

Warum habe ich mich für diese Person entschieden?

Ich wusste, es soll eine Person aus den letzten zwei Jahrhunderten werden. Eine besonders spannende Zeit für Freiburg, finde ich. Freiburg erlebt eine völlig andere Industrialisierung, wächst rasant, erlebt Kriege hautnah durch die Nähe zu Frankreich.
Der erste Weltkrieg ist ein wenig der vergessene Weltkrieg. Und wenn man sich damit beschäftigt, denkt man an dramatische Schlachten, an hochindustrialisierte Waffen, an tote Soldaten. Und was passiert in Freiburg währenddessen? Während meiner Recherche bin ich auf Frauen gestoßen, die während des Krieges die Aufgaben ihrer Männer übernommen haben. Frauen in Männerberufen – in einer Zeit, zu der Frauen noch nicht einmal wahlberechtigt waren, eigentlich unvorstellbar. Aber wer arbeitet denn dann in Fabriken, versorgt die verwundeten Soldaten, fährt die Straßenbahnen?
Diese, vielleicht sogar ungewollte, Emanzipation der Frauen in der Berufswelt hat mit Sicherheit einiges in der Gesellschaft verändert. Doch nicht nur deshalb ist die Schaffnerin von vor über hundert Jahren eine spannende Persönlichkeit.
Durch ihre Uniform ist sie ein typisches Beispiel für das durch und durch militarisierte Kaiserreich und steht exemplarisch für ihre Zeit.

Wer ist Magdalena Roesch - eine kurze Biographie

Magdalena Roesch ist eine fiktive Persönlichkeit. Wichtig ist die Gruppe, für die sie exemplarisch steht. Auch ihr Lebenslauf ist nicht wirklich so passiert, aber durchaus realistisch für eine Frau in Freiburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 

Magdalena wurde 1887 in Gottenheim geboren und kam wie viele andere junge Frauen auch mit 16 nach Freiburg, um als Dienstmädchen zu arbeiten. Bis zum ersten Weltkrieg lebte sie ein, im Kaiserreich relativ normales, Leben. 1910 heiratete sie ihren Mann Wilhelm Aichele, mit ihm bekam sie drei Kinder.
Der Krieg markierte einen radikalen Einschnitt in das Leben der jungen Familie. Während 1914 noch alle kriegseuphorisch waren, so verschwand dieses Gefühl spätestens 1917 – Wilhelm fiel in einer Schlacht am Hartmannsweiler Kopf. Ab 1915 arbeitete Magdalena bei den Freiburger Straßenbahnen, als Schaffnerin. Da viele Männer nicht nach Hause zurückkehrten, konnte sie erstmal ihre Arbeit bei der Straßenbahn beibehalten. Doch das Leben in der Nachkriegszeit war schwer: Wirtschaftskrise und Inflation, Million von Kriegsveteranen mussten zurück in die Gesellschaft integriert werden, Gruppen radikalisierten sich. Die junge Demokratie der Weimarer Republik hielt dem nicht stand. 
Magdalena musste sich durchschlagen, erlebte mit Sicherheit viele schwierige Situationen. Sie war Teil der Geschichte dieser Stadt, vielleicht waren die Schaffnerinnen nicht bekannt, aber geprägt haben sie das Stadtbild dennoch.